Die Entstehung von Braunkohle ist ein Prozess, der mehrere Millionen Jahre in Anspruch nimmt. Zunächst sammeln sich abgestorbene Pflanzenreste in Mooren und Sumpfgebieten. Unter Sauerstoffmangel beginnt ein mikrobieller Zersetzungsprozess, bei dem sich Torf bildet. Durch weitere Sedimentation wird dieser Torf mit Sand, Ton und anderen Gesteinsschichten überlagert. Der zunehmende Druck und die Temperatur sorgen über Millionen Jahre für die chemisch-physikalische Umwandlung des Torfs in Braunkohle.

Braunkohle besteht zum Großteil aus Kohlenstoff, enthält aber auch Wasser, Schwefel und andere organische Verbindungen. Aufgrund ihres niedrigen Energiegehalts muss sie in großen Mengen abgebaut und unmittelbar in Kraftwerken vor Ort verfeuert werden. Der Transport lohnt sich wirtschaftlich kaum.

 

 

 

Beschreibung und Entstehung des Energieträgers

Was ist Braunkohle?

Braunkohle ist ein fossiler Energieträger, der sich durch einen hohen Wassergehalt (40–60 %) und einen vergleichsweise geringen Heizwert auszeichnet. Im Gegensatz zur Steinkohle handelt es sich bei Braunkohle um ein relativ junges Sedimentgestein. Sie entstand im Laufe des Tertiärs, insbesondere im Miozän (vor ca. 5 bis 25 Millionen Jahren), aus abgestorbenem Pflanzenmaterial, das sich in Moorlandschaften ansammelte. Unter Sauerstoffabschluss und hohem Druck wandelte sich der Torf durch Inkohlung über geologische Zeiträume hinweg zu Braunkohle. In der Lausitz wurden diese geologischen Prozesse durch das dort vorherrschende Klima und die Feuchtgebiete begünstigt.

Der hohe Wasseranteil macht Braunkohle weniger effizient als Steinkohle, aber ihre große regionale Verfügbarkeit und die Möglichkeit der billigen Förderung im Tagebau führten dazu, dass sie in Deutschland – insbesondere in der DDR – über Jahrzehnte eine zentrale Rolle in der Energieversorgung spielte.

 

Vorkommen in der Lausitz

Die Lausitz ist eines der drei großen Braunkohlereviere in Deutschland, neben dem Rheinischen und dem Mitteldeutschen Revier. In der Region befinden sich bedeutende Tagebaue wie Jänschwalde, Nochten und Welzow-Süd. Diese Tagebaue lieferten Braunkohle an nahegelegene Kraftwerke wie Schwarze Pumpe oder Boxberg, in denen die Kohle direkt zur Stromerzeugung genutzt wurde.

 

Historisch gesehen war die Lausitz ab der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ein Zentrum des Braunkohleabbaus. Während der DDR-Zeit wurde das Revier massiv ausgebaut, um die Eigenversorgung mit Energie zu sichern. Bis Ende der 1980er-Jahre deckte die Braunkohle etwa 70 % des Energiebedarfs der DDR. Nach der Wiedervereinigung wurde die Produktion deutlich reduziert, viele Tagebaue wurden geschlossen.

Fördermethoden

Braunkohle wird ausschließlich im Tagebau gefördert, da sie in relativ geringer Tiefe (oft nur 10 bis 100 Meter unter derOberfläche) lagert. Das bedeutet, dass zunächst das Deckgebirge – also alle Erd- und Gesteinsschichten über der Kohle – abgetragen werden muss. Dabei kommen gigantische Maschinen wie Schaufelradbagger, Absetzer und kilometerlange Förderbänder zum Einsatz.

Um die Kohle trocken fördern zu können, wird das Grundwasser in großem Stil abgepumpt. In der Lausitz wurden dafür in Spitzenzeiten über 230 Millionen Kubikmeter Wasser pro Jahr entnommen. Der Prozess ist nicht nur technisch aufwendig, sondern auch mit massiven Eingriffen in das Ökosystem verbunden. Außerdem entstehen sogenannte Abraumkippen aus dem überschüssigen Erdmaterial, die später rekultiviert oder geflutet werden müssen.

Braunkohle

Umsiedlungen

Eine der gravierendsten sozialen Folgen des Braunkohleabbaus ist die Zerstörung von Dörfern und die damit verbundenen Umsiedlungen. In der Lausitz wurden seit dem 20. Jahrhundert mehr als 130 Orte ganz oder teilweise abgebaggert. Zwischen 1950 und 1990 mussten über 80.000 Menschen ihre Heimat verlassen, darunter auch viele sorbische Gemeinden mit eigener Sprache und Kultur.

In der DDR erfolgten diese Umsiedlungen meist ohne große Beteiligung der Bevölkerung. Proteste waren selten möglich und wurden unterdrückt. Erst in den späten 1980er-Jahren kam es zu öffentlich wahrnehmbaren Widerständen, etwa im Ort Klitten, wo der Tagebau gestoppt wurde. Nach 1990 wurde der Umgang mit Umsiedlungen demokratischer gestaltet, doch der soziale Verlust – von Heimat, Nachbarschaft, Friedhöfen und Geschichte – bleibt tiefgreifend.

Auswirkungen auf das Grundwasser

Der Abbau von Braunkohle hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Grundwasser. Um den Tagebau trocken zu halten, werden enorme Mengen an Grundwasser entnommen. Dies führt zu einer großflächigen Absenkung des Grundwasserspiegels, was wiederum Auswirkungen auf Feuchtgebiete, Wälder und landwirtschaftliche Nutzflächen hat. Der künstliche Wassermangel beeinflusst zudem die Fließgewässer in der Region, insbesondere die Spree.

Nach dem Ende der Förderung steigen die Grundwasserstände langsam wieder an. Dabei kommt es jedoch zu chemischen Reaktionen mit im Boden vorhandenen Sulfidmineralien (z. B. Pyrit). Durch deren Oxidation entsteht Schwefelsäure, was zur Versauerung und zur Freisetzung von Eisen und Sulfat führt. Diese Stoffe belasten das Grundwasser und die Flüsse ökologisch erheblich. Besonders betroffen ist der Spreewald, der stark vom regionalen Wasserhaushalt abhängig ist und langfristig unter Wasserknappheit leidet.

Auswirkung auf die Landschaft

Die Landschaft der Lausitz wurde durch den Braunkohleabbau tiefgreifend verändert. Ganze Landstriche wurden abgetragen, Wälder gerodet, Gewässer umgeleitet und Dörfer zerstört. Zurück blieben riesige Krater, künstliche Erhebungen aus Abraum und monotone Kippenflächen. Nach der Stilllegung der Tagebaue begann die sogenannte Rekultivierung: Die Flächen wurden modelliert, begrünt oder geflutet.

Heute entstehen aus ehemaligen Tagebauen neue Seenlandschaften wie der Cottbuser Ostsee oder der Partwitzer See. Diese werden als Erholungsgebiete, für Wassersport oder Naturschutz genutzt. Dennoch bleibt der ökologische Fußabdruck groß: Die neuen Böden sind oft nährstoffarm und instabil, die Wasserqualität der neuen Seen ist in Teilen problematisch. Die ursprüngliche Landschaftsstruktur ist unwiederbringlich verloren, und die Auswirkungen der Sanierung reichen weit in die Zukunft.

 

 

Jonathan Haber

 

Agatha Braun

Jonathan Haber

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