Mit enormem Druck – mehr als 120 Millionen Pascal – wurde aus Rohbraunkohle ein formstabiles Brikett gepresst, und das ganz ohne Zusatzstoffe. Bis zu 1,5 Millionen Tonnen Briketts verließen jährlich die Werkshallen, vor allem zum Heizen in den Haushalten von Berlin, Dresden und der Lausitz, aber auch für die Industrie und den Export. Die Arbeitsbedingungen waren hart, die Maschinen laut, und die Umweltbelastung hoch: In Spitzenzeiten wurden bis zu 100 Tonnen Staub täglich ausgestoßen. Zu Beginn waren rund 1.800 Menschen in der Fabrik beschäftigt – am Ende blieben nur noch 282 übrig. Sie wurden als ABM-Kräfte eingesetzt, um den teilweisen Abriss jener Arbeitswelt zu begleiten, in der sie oft Jahrzehnte verbracht hatten. Die Stilllegung kam, ein letzter Arbeitstag, ein kleines Ständchen der örtlichen Musikkapelle, und dann war alles vorbei. Viele der langjährigen Mitarbeiter kehrten trotz Museumeröffnung nie wieder zu ihrer Fabrik zurück.
Vom Rohstoff zum Brikett



„Glück Auf, Knappenrode!“
Industriegeschichte zum Anfassen in der Energiefabrik
Zwischen dampfenden Turbinen, schweren Briketts und interaktiver Geschichte: Die Energiefabrik Knappenrode öffnet ein faszinierendes Fenster in die Industrie- und Alltagskultur der Lausitz.
Wer die Lausitz einmal von ihrer industriellen Seite entdecken möchte, findet in der Energiefabrik Knappenrode ein beeindruckendes Ziel. Das Museum liegt auf einem über 25 Hektar großen Gelände nahe Hoyerswerda und bietet eine einzigartige Zeitreise durch rund 100 Jahre Braunkohlegeschichte – authentisch, greifbar und bewegend. Die ehemalige Brikettfabrik, zur Eröffnung 1918 als eine der modernsten ihrer Art, wurde bis 1993 betrieben und bereits ein Jahr später als Museum eröffnet. Heute lässt sich hier der komplette Brikettproduktionsprozess mit originalen Maschinen erleben – ein europaweit seltenes Erlebnis.

Das Museum
Der Besuch des Museums beginnt meist im 22 Meter hohen Stahlturm, von dem man einen grandiosen Blick über das gesamte Lausitzer Bergbaugebiet hat. Besonders spannend ist der sogenannte Lausitzblick: Auf dem Dach der alten Fabrik erwartet Besucher eine begehbare Aussichtsplattform mit Panoramablick über die einstige Industrie- und Bergbaulandschaft. Kraftwerk Boxberg, Schwarze Pumpe und die sich verändernde Tagebaulandschaft werden von hier aus eindrucksvoll sichtbar. Über sieben Etagen führt der Rundgang durch Fabrikhallen, in denen der Kohlestaub noch an den Wänden klebt und der Lärm der Maschinen durch Originaltöne erlebbar ist. Mehrmals täglich ertönt die Fabriksirene – dann setzt die „Akustik-Schicht“ ein und die Geräuschkulisse vergangener Produktionstage wird – in abgedämpfter Form - lebendig. Heute ist das Museum nicht nur ein lebendiger Ort der Industriegeschichte, sondern auch Veranstaltungsort des elektronischen Musikfestival STROGA. Laut einer Mitarbeiterin besuchen die Energiefabrik jedes Jahr rund 25.000 Gäste.
Ein Besuch lohnt sich für alle, die sich für Technik, Geschichte oder spannende Orte interessieren: Der Turbinensaal, die alten Förderbänder, das weitläufige Außengelände und die lebendig erzählte Geschichte der Region machen die Energiefabrik zu einem Erlebnis für alle Altersgruppen. Einmal durchatmen, zurückblicken – und staunen, was Kohle alles bewegen konnte.
Quellenangabe:
Dauerausstellungsbereich des Museumsbereichs
Erzählungen der Mitarbeitenden

Energiefabrik Knappenrode
standort
www.energiefabrik-knappenrode.de
Werminghoffstraße 20
02977 Hoyerswerda / OT Knappenrode
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, sowie Feiertage: 10–18 Uhr













